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Drittes Konzert 2005

16. Juni 2005, 20.00 Uhr
Frédéric Blanc, Paris

Programm:
Suite à la Française improvisée sur un thème grégrorien
       (Grand Plein Jeu, Duo, Fond d'orgue, Basse de trompete,
       Récit, Grand Dialogue sur les grands jeux)

Thème et Variations sur un thème populaire donné
       (Thème, Fileuse, Scherzando, Berceuse, Agitato, Ricerdare,
       Fanfare, Adagio, Toccata)

Symphonie improvisée en quatre mouvements
       (Allegro, Scherzo, Adagio, Finale)

Frédéric Blanc, geboren 1967, studiert zunächst ein Jahr lang Jura, ehe er sich endgültig der Musik zuwendet. Aufbauend auf einer musikalischen Grundausbildung und intensivem Klavierunterricht studiert er Orgel an den Conservatoires von Bordeaux und Toulouse. 1987 - 1995 war er Orgelassistent an der Basilika Saint-Sernin in Toulouse, von 1993 bis 1999 Dozent für Orgel am Conservatoire von Bordeaux-Mérignac. - 1989 wird er Finalist beim Internationalen Improvisationswettbewerb Strasbourg und Preisträger bei vielen anderen internationalen Improvisationswettbewerben. Diese angesehenen Auszeichnungen eröffnen ihm eine aktive Karriere als Konzertorganist in ganz Europa sowie in den USA. - Im August 2003 war er Dozent der Internationalen Altenberger Orgelakademie für Improvisation.
Seit Januar 1999 ist Frédéric Blanc Titularorganist an der Großen Cavaillé-Coll-Orgel der Kirche Notre-Dame-d'Auteuil in Paris und Vorsitzender und musikalischer Leiter der Fondation Duruflé in Paris.

Frédéric Blanc über Improvisation:
"Es ist jener Augenblick am Ende eines Konzertes: Jemand aus dem Publikum hat dem Organisten einen Umschlag übergeben. In diesem Umschlag befindet sich ein Blatt Notenpapier, auf dem einige Takte Musik notiert sind...! Es ist Zeit für die Improvisation, jenem Moment, in dem der Organist als Improvisator sein Bestes geben will.
Was für ein komplexes Phänomen ist doch die Improvisation! Früher waren fast alle Komponisten auch Improvisatoren. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts waren Franck, Liszt, Saint-Saëns und Widor gefeierte Vertreter dieser Gattung. Diese ausgesprochene französische Tradition wurde dann im 20. Jahrhundert von Vierne, Dupré, Duruflé, Messiaen, Fleury, Alain, Langlais, Litaize und Cochereau fortgesetzt. Sie alle improvisierten in dem ihnen jeweils eigenen Stil - sowohl in Gottesdiensten als auch in Konzerten.
Improvisieren, das heißt „sich ausliefern", „sprechen", „kommunizieren". Unabhängig davon, welche künstlerische Disziplin wir in Betracht ziehen: Es zählen die ästhetischen Einflüsse, die Fähigkeit, sich zu vermitteln, eine nachvollziehbare Sprache zu sprechen, seine Gedanken sortieren zu können, dem, was man sagen will, eine adäquate äußere Form zu geben. In der Improvisation muß man etwas mitzuteilen haben, ein dringendes Bedürfnis verspüren, sich ausdrücken zu wollen.
Francois-Henri Houbart, der Organist der Madeleine in Paris, beschrieb die Improvisationskunst von Pierre Cochereau folgendermaßen: musikalische Kultur + Imagination + Konzentration + Fingerfertigkeit = Pierre Cochereau!
Dies sind auch meiner Ansicht nach die wichtigsten Fähigkeiten, die einen perfekten Improvisator ausmachen, denn es gibt ihn: den gebo-renen Improvisator !
Oftmals können zweifellos äußere Einflüsse den Erfolg oder Misserfolg einer Improvisation beeinflussen: das Thema (es mag mehr oder weniger inspirierend sein, aber es wird in jedem Fall erwartet, dass man „etwas daraus macht...") oder die Orgel (sie kommt den musikalischen Intentionen entgegen oder auch nicht. Aber man muss sie sich dennoch zunutze machen). Dieses musikalische Abenteuer ist es jedoch allemal wert zu erleben und zu erfahren. Für den Improvisator ist es die „Stunde der Wahrheit" - und der Begeisterung. Das Publikum spürt dies genau."